Kurzvorträge

Jun.-Prof. Dr. Leen Vereenooghe

Innovationen für alle:
Digitale Maßnahmen zum Nachteilsausgleich und zur Förderung von Personen mit Behinderungen

Frau Leen Vereenooghe ist seit 2016 Juniorprofessorin für psychologische Intervention in inklusiven Kontexten, Universität Bielefeld
2015 – 2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin / PostDoc, University of Warwick, Großbritannien
2011 – 2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, PhD Studentin, University of East Anglia, Großbritannien
2010 – 2011: PiA Stelle im Schlaflabor des Universitätsklinikum Leuven, Belgien
2007: Tätigkeit als Sonderpädagogin / Sozialpädagogin (Wohneinrichtung für Erwachsenen mit einer geistiger Behinderung), Belgien


Prof. Dr. Thomas Kliche

Computer verändern Menschen und Gesellschaften.
Wie gehen wir damit um?

Thomas Kliche hat die Professur für Bildungsmanagement am Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal inne. Er ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Nationalen Präventionsberichts.

Kliche arbeitete u.a. an der Universität Hamburg und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie in der Lehre verschiedener Hochschulen. Seine Arbeits- und Veröffentlichungsschwerpunkte sind Politikpsychologie, Prävention und Gesundheitsförderung sowie Gestaltung wirkungsvoller Früher Bildung



Innovationen für alle: Digitale Maßnahmen zum Nachteilsausgleich und zur Förderung von Personen mit Behinderungen
Jun.-Prof. Dr. Leen Vereenooghe

Der Nachteilsausgleich von Personen mit Behinderungen findet in der Regel im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Nachteilen statt wie z.B. durch finanzielle Unterstützung oder als Hilfe bei der Ausbildung für Studierende mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Menschen mit Behinderung erleben jedoch Nachteile in der sozialen Teilhabe und beim Zugang und Erhalt von psychischer Gesundheitsunterstützung, welche nicht durch gängige Nachteilausgleichsmaßnahmen kompensiert werden können. Maßnahmen zum Gelingen der Inklusion erfordern deshalb die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens und die Teilnahme an der Gesellschaft. Wir unterscheiden dabei nachteilsausgleichende und fördernde Maßnahmen. Digitale Innovationen bieten geeignete Mittel für die Einführung von beide Arten von Maßnahmen: sie reichen von kommunikationsfördernden Technologien bis zum Einsatz von Robotern in Wohneinrichtungen und im Bereich der Psychotherapie. Dieser Vortrag zeigt Beispiele auf und präsentiert wie Menschen mit Behinderung als potentielle Anwender von digitalen Produkten bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden sollten, wie bereits existierende Technologien angepasst werden können und wie neue Technologien von Personen mit Behinderung genutzt werden. Schließlich werden bei dieser Präsentation auch auftauchende ethische Bedenken durch den Einsatz von solchen digitalen Innovationen, speziell bei Menschen mit geistiger Behinderung betrachtet.

Computer verändern Menschen und Gesellschaften. Wie gehen wir damit um?
Prof. Dr. Thomas Kliche

Digitalisierung bringt eine neue, rabiate Art Sozialen Wandels: rasch, oft unter Druck, kaum umkehrbar, überall in Gesellschaft und Wirtschaft, sozialen Beziehungen und Persönlichkeitsentwicklung. Tiefgreifende Veränderungen zeichnen sich ab, die Zusammenhalt, Verständigung und Vernunft in Frage stellen; etwa der Konformismus der Echokammern, das Vordringen intuitiver Vorurteile, symbiotische Erwartungen an Politik sowie Wahrheitszynismus. Die Studien zeigen günstige und unerwünschte Effekte zugleich, genaue Prognosen sind unmöglich. Der Veränderungsdruck ist den Menschen gegenwärtig. Doch die Politik ist bislang überwiegend passiv; handlungsfähige politische Strukturen und die aktive, partizipative Entwicklung übergreifender Ziele fehlen. Das führt zu Ängsten, Anpassungs- und Abwehrprozessen und einem Gefühl von Politikversagen. Von der Politik ist daher eine neue Art aktiver Moderation des Wandels gefordert: Sie muss handlungsfähige Strukturen für die Beobachtung, gesellschaftliche Verständigung und Steuerung der Digitalisierung schaffen. Sie muss (im europäischen Zusammenwirken) die internationalen Unternehmen in sozialstaatliche und rechtliche Verpflichtungen einbinden. Sie muss die Digitalisierung für die "Große Transformation" zur nachhaltigen Lebensweise nutzen. Und besonders die Parteien müssen den Mut zu konkreten Utopien finden, mit denen die Gesellschaft sich auf Ziele und Wege für die abgestimmte, durchdachte Gestaltung der Digitalisierung verständigen kann.

Ziele des Vortrags sind Motivierung der Politik zur proaktiven Beobachtung, Begleitung und Steuerung der Technologien und ihrer Einbindung in die Entwicklung einer nachhaltigen Lebensweise sowie Unterstützung von Selbstwirksamkeit in der Gesellschaft zur aktiven, bewussten Gestaltung des tiefgreifenden Wandels.